Dr. Rainer Gutknecht

Landrat des Schwarzwald-Baar-Kreises von 1973 bis 1996

Rainer Gutknecht wurde in Stuttgart geboren, verbrachte seine Jugendjahre in Rottweil (sein Vater war seinerzeit Bürgermeister der ältesten Stadt Baden-Württembergs) und studierte später Rechtswissenschaften in Tübingen, München und Heidelberg. Er promovierte 1958 an der Universität Tübingen und absolvierte zwei Jahre später die zweite juristische Staatsprüfung. Danach war er zunächst sechs Jahre lang als Referent für Organisation, Verfassung und Polizei beim Deutschen Städtetag tätig, bis er schließlich im Dezember 1966 vom Rheinisch-Bergischen Kreistag zum Kreisdirektor gewählt wurde.

Nachdem die beiden Landkreise Donaueschingen und Villingen im Zuge der Kommunalen Gebietsreform zum Schwarzwald-Baar-Kreis vereinigt worden waren, gewann Dr. Gutknecht am 13. Juli 1973 die Wahl zum ersten Landrat des neuen Kreises. Er trat sein Amt am 1. Oktober 1973 an und wurde am 6. Juli 1981 sowie am 3. Juli 1989 jeweils mit großer Mehrheit wiedergewählt.

Das Augenmerk Dr. Gutknechts lag vor allem auf dem Ausbau des beruflichen Schulwesens. Auf sein Bestreben hin verabschiedete der Kreistag bereits 1975 ein Ausbauprogramm. In den Investitionen in Höhe von 90 Millionen Mark sah er nicht zuletzt einen Beitrag für die Zukunft des neu gegründeten Landkreises. Im Sonderschulbereich wurden unter seiner Regie 37 Millionen Mark investiert. Hiermit wurden die Schulen für Geistigbehinderte in VS-Villingen (heute Carl-Orff-Schule) und in Donaueschingen (heute Karl-Wacker-Schule) sowie die Schule für Körperbehinderte (heute Christy-Brown-Schule) in VS-Villingen gebaut. 

Kreispolitisch hat Dr. Rainer Gutknecht eine Vielzahl von erfolgreich umgesetzten Projekten vorzuweisen, die hier nur stichwortigartig und unvollständig aufgelistet seien:
Zirka 122 Millionen Mark flossen in den Kreisstraßenbau, das Kreiskrankenhaus in Donaueschingen entwickelte sich zu einer anerkannten Einrichtung, eine moderne Abfallwirtschaft wurde aufgebaut. Im Sozialbereich lagen Gutknecht vor allem die Familien- und Jugendfürsorge am Herzen. Pionierleistungen werden ihm bei der Schaffung der Eltern-, Kinder- und Jugendberatungsstelle (heute BEKJ mit IFF) sowie der Sozialen Betreuungsstelle für Jugendliche (heute IMPULS) attestiert. Dr. Gutknechts Vision eines „Kreishauses" wurde im Bau des noch immer beeindruckenden Landratsamtsgebäudes am Villinger Hoptbühl 1991 Wirklichkeit.

Als „Ruck-Zuck-Landrat" wurde Landrat Dr. Gutknecht in seinen aktiven Amtsjahren oft bezeichnet. Eine kaum erlahmende Dynamik, gepaart mit Impulsivität prägten seine Arbeit. Er, dem im Elternhaus preußische Vorbilder vermittelt wurden, verlangte nicht nur von sich selbst stets Genauigkeit und Disziplin. Vielleicht bedurfte es gerade dieser Eigenschaften eines Rainer Gutknechts, um das nicht immer konfliktfreie Zusammenwachsen des Schwarzwald-Baar-Kreises voran zu treiben.Dieses ständige Streben nach Einheit spiegelt sich im ganzen Schaffen Dr. Gutknechts wider. Das größte Verdienst des ersten Landrats des neuen Schwarzwald-Baar-Kreises ist deshalb auch das „Zusammenschweißen" der früher selbständigen Kreise Villingen und Donaueschingen zu einer eigenständigen neuen Einheit. Als augenscheinliches Merkmal für das Ringen um ein neues Kreisbewusstsein gilt der von Rainer Gutknecht 1976 ins Leben gerufene Kreisalmanach als Spiegelbild des politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens im Schwarzwald-Baar-Kreis. Dr. Gutknecht hat außerdem auch die heutige Partnerschaft mit dem ungarischen Komitat Bacs-Kiskun mit begründet sowie nachbarschaftlich-freundschaftliche Kontakte mit dem Kanton Schaffhausen in die Wege geleitet.

Die Verdienste von Dr. Rainer Gutknecht, sein vorbildliches Engagement in vielen Bereichen, wurde durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse im Jahre 1996 gewürdigt.

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