Dr. Robert Lienhart

Landrat des Landkreises Donaueschingen von 1945 bis 1972

Robert Lienhart wurde 1908 in Straßburg geboren, das damals zum Deutschen Reich gehörte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Familie Lienhart aus dem Elsass ausgewiesen und ließ sich im nahen Freiburg nieder. Hier besuchte Robert Lienhart das Gymnasium und begann sein Studium der Rechtswissenschaften. Es folgten Studienaufenthalte in Heidelberg und Bologna. Während dieser Zeit unternahm er ausgedehnte Reisen nach Italien und Frankreich, wo er sich hervorragende Sprachkenntnisse aneignete. 1937 schloss Robert Lienhart sein Studium mit Promotion ab. Danach arbeitete er als Jurist für zwei Privatfirmen. 1944 wurde er zum Wehrdienst einberufen und als Dolmetscher in Italien eingesetzt.
Seine erste berufliche Station nach dem Krieg führte ihn zum Landeskommissariat Konstanz. Doch schon am 21. September 1945 wurde er zum Donaueschinger Landrat ernannt. Als erster mit französischer Zustimmung von deutscher Seite eingesetzter Landrat in Südbaden löste er seinen Amtsvorgänger Prinz Max von Fürstenberg ab, der nach nur wenigen Wochen krankheitshalber hatte zurücktreten müssen.
Nach dem Zusammenbruch und bei den besonders in Donaueschingen gravierenden Kriegsschäden galt es im Einvernehmen mit der Besatzungsbehörde eine demokratische Verwaltung neu aufzubauen und im Chaos der unmittelbaren Nachkriegszeit für die Beschaffung des Lebensnotwendigen zu sorgen.
Eine der größten Herausforderungen war die Eingliederung der vielen Flüchtlinge und Vertriebenen. Dr. Lienhart engagierte sich hier in ganz außerordentlicher Weise. Seiner persönlichen Initiative war die Gründung der gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft „Neue Heimat" zu verdanken, der er 25 Jahre lang als Aufsichtsratsvorsitzender diente. Bis zum Anfang der siebziger Jahre wurden rund 1800 Wohnungen für die Entwurzelten geschaffen.
Eine neue Heimat bekam auch die Kreisverwaltung. Der Neubau des Landratsamtes in der Donaueschinger Käferstraße bot Ersatz für das bei einem Fliegerangriff zerstörte alte Amtsgebäude und ermöglichte eine effizientere Bewältigung der anstehenden Aufgaben, darunter die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen für die Kreisbevölkerung, die Ansiedlung von Firmen und der Ausbau des Straßennetzes.

In dem stark ländlich geprägten Kreis war die Förderung der Landwirtschaft von elementarer Bedeutung. So unterstützte Landrat Lienhart mit besonderem Nachdruck den Neubau der Landwirtschaftsschule mit Internat. Neu- und Ausbau weiterer Berufsschulen in Donaueschingen und Furtwangen fallen in seine Amtszeit. Im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens sind der Ausbau des Kreispflegeheims in Geisingen und die Planung des Neubaus des Kreiskrankenhauses in Donaueschingen Meilensteine, an deren Verwirklichung Dr. Lienhart großen Anteil hat.

Ein offenes Ohr hatte er für kulturelle Aufgaben, sei es der Ausbau der Donaueschinger Kreisergänzungsbücherei, die bereits vor der Einrichtung gleichen Namens des Schwarzwald-Baar-Kreises durch Landrat Dr. Gutknecht existierte, die Fürsprache für die Donaueschinger Musiktage oder die entschiedene Förderung von Bildungsfahrten des Kreisjugendrings. Zu einem unvergesslichen Erlebnis für die Bürgermeister des Kreises wurden die immer ausgezeichnet vorbereiteten und durchgeführten legendären Bürgermeisterlehrfahrten.
Nach 27 Jahren endete die Amtszeit Dr. Lienharts mit Inkrafttreten der Kreisreform am 1. Januar 1973, als der größte Teil des bisherigen Kreises Donaueschingen im neuen Schwarzwald-Baar-Kreis aufging. Im September 1973 wurde Robert Lienhart als dienstältester Landrat im Regierungsbezirk Südbaden in den Ruhestand verabschiedet und für seine außerordentlichen Verdienste im Oktober 1973 mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse geehrt. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Dr. Lienhart mit seiner Frau im Donaueschinger Altenheim Sankt Michael. Er verstarb am 13. Mai 2000 im 92. Lebensjahr. 

footerpic